Sonntag, 1. März 2009

Alle Jahre wieder?

Wenn Patenonkels Burzeltag haben...

... schicken sie um halb sieben eine Mail, ob sie anrufen dürfen. Wir rufen zurück, da hier noch jemand schläft.

"Dieses Mal musst Du sie ansehen - am besten geht es heute."
Irgendwie muss ich auch noch geschlafen haben, denn ich sage zu. Die Verkehrsnachrichten warnen, draußen liegen Unmengen Schnee und wir müssen den Schwarzwald überqueren. Der Rest der Familie ist auch noch nicht richtig wach, als ich von den Plänen berichte.

"Ich fahre nachher nach XY."
"Das schaffst Du schon."
Na denn...

Auf der Fahrt telefoniert Patenonkel solange mit mir, bis ich erst bei Karlsruhe erschrecke: die Wetterverhältnisse sind katastrophal und ich will nur noch nach Haaause. Hülfä - ich sehe nichts, auf der Autobahn steht das Wasser, manche fahren viel zu langsam, andere viel zu schnell und wieder andere ohne Licht. Wir pendeln mit 100 bis 120 km/h durch das Chaos. Anruf des MmH: "Ist das etwa das XY bei Z?? Ich mache mir Sorgen, fahr bitte ganz vorsichtig." "Anruf des Patenonkel: "Wo steckst Du? Mach mal hinne." Mein Magen knurrt und meckert, keine Chance auf Nahrung.

Eine Stunde später ein großes Wasserfeld zwischen Patenonkel und mir. "Da musst Du durch." Knöcheltief sinke ich in die mit Wasser gefüllte Schneedecke.

Im Stall stehen fünf weiße Mäuse. Oder eigentlich weiß. Irgendwie sind sie mehr gelb und braun und verzuzelt. Ganz hinten nickt mir eine lustig zu. Kaum stehe ich bei ihr, knabbert sie mich von oben bis unten mit ihren Lippen ab. Zeigt mir, wo sie gekrault werden will.




Die andere ist ein klein wenig zurückhaltender, wird aber auch bald warm mit mir. Sie ist von der Kamera irritiert, mit der Patenonkel versucht, uns aufzunehmen.




Die kleine Selbstbewusste würde am liebsten auf meinen Beifahrersitz krabbeln. Das geht heute noch nicht. Aber bald.

Auf der Rückfahrt hänge ich mich an Patenonkel, der bevorzugt über gelbe Ampeln düst, die bei mir dunkelorange werden. Wir telefonieren währenddessen, denn er hat schon eine vorrübergehende Bleibe für die Mädels organisiert. Ups, wieder eine dunkelgelbe Ampel. Onkelchen gibt Gas, ich auch. Auf einmal sehe ich mitten auf der Kreuzung rote Lichter, höre: "Sch... ein Blitz". Ein Glück, dass Sophie diese Vollbremsungsoption hat.

"Onkel, bist Du noch da?"
Schweigen.
"Hej, das hat nicht geblitzt. Und wenn, hätte es mich bei der Vollbremsung erwischt...
Huhu?"
Das Auto vor mir befindet sich trotz Kurve noch auf der richtigen Fahrbahn - er lebt also noch.
"Kannst Du mal tief durchatmen und dann ein kleines Lebenszeichen von Dir geben?"
Drei Kreuzungen später spricht er endlich wieder.

Dreißig Kilometer später gibt er Gas und düst mir davon. Ich finde gegen 16:00 Uhr ein Gasthaus und nehme Wiener Würstchen mit Meerettich (!!?) zu mir. Die sonst so vielen LKW auf dieser Strecke haben sich von den Warnungen beeindrucken lassen, verkehrstechnisch geht es entspannter zu. Der Anblick der Klinik, an der ich zufällig vorbei muss, lässt alle Spannung abfallen. Ab jetzt ist es meine Leib- und Magenstrecke. Nur überfällt mich jetzt eine bleierne Müdigkeit. Noch eine Stunde...

Der Familienrat beschließt noch am selben Abend, dass die Mädels nicht noch einen Monat so weit entfernt bleiben dürfen. Denn das würde bedeuten, dass ich mindestens einmal wöchtenlich über 400 km fahren und stundenlange Sorgen bereiten würde.

Alle - wirklich alle - ziehen an einem Strang und so kommt es, dass die Mädels seit Freitag da stehen, wo auch die Junx ein Jahr zuvor aufgepäppelt wurden. Als ich die etwas Schüchternere in ihren Paddock führe, ertönt hinter uns eine Fanfare. Das Pferd an meiner Hand macht mit einem Satz eine 180 Grad-Wendung, ich lande fast im Matsch. Sie trompetet, vibriert am ganzen Körper. Drei Jahre waren sie getrennt, aber sie haben sich offensichtlich nicht vergessen. Auf der Koppel steht ihre Freundin, die Mama der kleinen Prinzessinnen.

Patenonkel lässt es sich gestern nicht nehmen, die beiden einer ersten Grundreinigung zu unterziehen.











Naja - irgendwann wird ein Schaumbad fällig sein ;-)

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