Die Zeitreise entlang der gemeinsamen Mutterlinie der Junx führt uns via Kellogs (yep, die Frühstücksflocken) zu Präsident Roosevelt und einem politischen Karrikaturisten namens Homer Davenport. Die beiden führen im Jahr 1906 eine einmalige Aktion durch. Aber um die zu verstehen, müssen wir kurz noch einen Blick in das vorhergehende Jahrhundert werfen.
1893 findet in Chicago die Weltausstellung statt. Zu dieser Zeit wurden Syrien und fast die vollständige arabische Halbinsel vom ottomanischen Reich beherrscht. Dessen Sultan Abdul Hamid II erreichte ein Spezialabkommen mit den USA, um das syrische Dorfleben in Chicago auszustellen. Höhepunkt dieser Ausstellung war eine Vorführung arabischer Pferde, die im Bedouinen-Stil geritten wurden. Dafür wurden schätzungsweise 40 Original-Araber importiert, die nach der Ausstellung wieder zurück in ihre Heimat reisen sollten.
Wie so oft in der Pferdewelt sollte es nicht sein - ein Feuer tötete nach der Ausstellung vermutlich neun der Pferde und zerstörte ihre Importpapiere. Einige Pferde wurden wahrscheinlich privat verkauft, 28 von ihnen kamen im Januar 1894 auf eine Auktion.
Der Künstler und Karrikaturist Davenport war auf der Weltausstellung fasziniert von der Schönheit dieser Pferde, hatte aber dann den Kontakt verloren. Fünf Jahre später, also 1898, entdeckte er einen Teil von ihnen wieder. Auf dem Gestüt eines wohlhabenden Industriellen namens Bradley. Die beiden - Bradley und Davenport - gründen eine Partnerschaft, aber das Zuchtpotenzial ist limitiert, denn sie haben einen Männerüberhang. Von den bis zu zwölf Pferden waren nur vier Stuten. Bradley reitet und fährt seine Pferde, er spielt Polo und besitzt einen Rennplatz.
Im selben Jahr (1898) wird in der syrischen Wüste eine Stute geboren, Urfah, die Urahnin unserer Junx. Die nächsten acht Jahre lebt sie ihr normales Leben als Mutterstute, bis Teddy Roosevelt auf den Plan tritt und ihre Reise in die USA ermöglicht. Zu diesen Zeiten war es von den Türken verboten, Stuten zu exportieren. Hengste durften exportiert werden, aber keine Stuten. Davenport wusste, dass Roosevelt, damals auf dem Höhepunkt seiner Macht, auch Pferdenarr war und wandte sich mit seinem Anliegen an ihn. Roosevelt intervenierte persönlich und Sultan Abdul Hamid II erließ ein 'Irade', das es Davenport erlaubte, Stuten und Hengste aus dem Ottomanischen Reich zu exportieren. Dieses 'Irade' war mehr als eine Erlaubnis - es signalisierte Nazim Pasha, dem Gouverneur von Aleppo und Syrien, dass Davenport wirklich arabische Pferde bekommen sollte.
Auf seiner Reise durch die Wüsten erstand Davenport 27 von Bedouinen gezogene Pferde. Nicht nur der Umfang des Imports war ungewöhnlich für damalige Zeiten. Während die meisten arabischen Pferde durch Händler in den Westen kamen, ließ sich Davenport ganz in der Tradition der Bedouinen mündlich die Herkunft und Reinblütigkeit der Pferde beeiden.
Aber nicht immer gestaltete sich der Pferdekauf problemlos - besonders Urfah wäre beinahe in der Wüste geblieben. Davenport beschreibt in seiem 1909 erschienenen Buch, wie er sie dann doch mitbringen konnte.
"Morgens wurden wir durch das Wiehern der von uns gekauften Pferde geweckt und stellten fest, dass ein Bedouine auf einer braunen Stute und einem zweijährigen Hengstfohlen an der Hand auf uns zuritt.Urfah ist nicht nur die Begründerin der Mutterlinie der Junx durch ihre Tochter Saleefy. Ihr Sohn Hamrah, der schöne Zweijährige, ist dreimal im Staummbaum der Junx vertreten. Er wurde der Lieblingszuchthengst von Davenport und Bradley. Es gab nur einen Hengst aus der 1906er Importgruppe, der ihm hätte Konkurrenz machen können: Haleb. Dieser war bereits fünfjährig und laut Davenport waren in der Wüste mehr als 200 Stuten von ihm tragend, als er seine Reise antrat.
Letzterer, so schien es, war der Seglawi Jedran Junghengst, von dem mir der Anazeh -Stamm versprochen hatte, ihn zu Inspektion zu mir zu schicken. Bevor wir die Zelte verlassen konnten, ließ uns Haffez ausrichten, wir sollten so lang wie möglich in den Zelten bleiben. Diese Seglawieh Jedranieh Stute, sagte er, war die feinste, die die Anezeh besaßen. Sie war nicht mitgebracht worden, um verkauft zu werden, sondern um zu zeigen, wieviel der Junghengst wert ist. Er würde den Jungen so günstig wie möglich kaufen und dann, später unfreundlich und gleichgültig auf die Mutter zeigen. Durch den Schlitz im Zelt bewunderten wir das Paar, Mutter und Sohn waren sich so ähnlich wie zwei Erbsen. Sie hatten sogar dieselben Zeichnung ihrer weißen Beine, denselben allgemeinen Aufbau der Hinterhand und genau denselben 'rennigen' Gesamtausdruck.
Nach dem Frühstück wurde der Bedouine zu mir gebracht, seine Hand wurde in meine gelegt während die Araber quasselten und ich wusste, dass der Junghengst endlich gekauft war. Der Bedouine versprach sogar, zu seinem Zelt zu gehen, um den Jährlingsbruder des Junghengstes zu holen - ein Fuchs mit derselben Zeichnung. Er würde ihn zu dem Camp bringen, in dem wir diese Nacht verbringen würden - 5 Stunden weiter in Richtung Aleppo.
Als wir uns trennten, war die Stute ein Bild. Sie lief mit der Grazie einer gut gezüchteten Frau; ihr Schweif schwenkte graziös von einer Seite zur anderen; ihre Ohren waren ständig in Bewegung und ihre Augen strahlten. (...)
Die Mutter außer Sichtweite, drehten wir uns um, um ihren zweijährigen Sohn zu betrachten. Er schien feiner als die anderen, die wir in seinem Alter hatten. Er hatte eine ererbte Würde, die der Rest nicht hatte. Wir freuten uns schon darauf, seinen Vollbruder zu sehen, der noch besser sein sollte. Beide waren von dem großen Hamdani-Simri Fuchs, auf den die Anezeh so stolz sind und vereinten somit die beiden seltenen Wüstenlinien der Seglawi Jedran und der Handani Simri. Die Mutter war eine Seglawieh, nach Wüstenregeln waren die Söhne vom Blut der Seglawi Jedrans.
Diese Nacht kampierten wir bei einem Dorf, das Verwandten von Akmet Haffez gehörte. Um zehn Uhr kam der Bedouine mit seiner wunderschönen Stute zurück, und brachte ihr letztes Kind, einen Fuchs, groß für sein Alter, mit demselben Weiß im Gesicht und mit denselben besonderen weißen Beinen wie Mutter und Bruder. Seine Mähne und Schweif waren hellgelb, was ihn wie ein Baby aussehen ließ. Her war sogar noch feiner als der Zweijährige.
(...)
Und doch wollten wir nicht starten, und dafür gab es neben unserem Unwillen, uns von Akmet Haffez zu trennen noch einen weiteren Grund. Die Seglawih Jedranieh Stute, deren zwei Söhne wir gekauft hatten und für die wir die fünfzig Pfund, die ihr Besitzer zusätzlich verlangte, durch einen Soldaten geschickt hatten, war nicht aufgetaucht...
... der Soldat kam atemlos herein und hatte kaum ein paar Worte gesagt, als Akmet Haffez Augen vor Wut glühten, er aufstand und ein Gewehr von der Couch nahm. Was war los? Ganz einfach: der Stutenbesitzer hatte die fünfzig Pfund, die der Soldat gebracht hatte, abgezählt und dann zusätzlich einen Revolver gefordert, den er an einem von uns gesehen hatte. Das hatte also unseren Gastgeber aufgebracht. Her hatte sein Wort vor Allah gegeben, dass wir diese Stute bekommen sollten und er würde sein Wort halten, und wenn es Gewehre bräuchte, um das zu erreichen.
Und der alte Mann bekam seinen Willen. "Ich werde meinen eigenen Sohn Faiot, der auch Dein Sohn ist, schicken, um die lebende Stute zu holen oder ihren toten Besitzer", sagte er. Ich gab nach - nicht ohne Zögern, denn ich wollte das Tier, da sie das Beste im Eurphrates-Tal war und schickte, um mein Gewissen zu beruhigen, den Revolver mit, nach dem ihr Besitzer gefragt hatte. Faiout und der Soldaten brachen sofort zu ihrem 15-Stunden-Ritt auf, während wir das Camp in die entgegengesetzte Richtung verließen. Sie würden versuchen, uns in der zweiten Nacht einzuholen.
(...)
Es war jetzt die dritte Nacht außerhalb Aleppos und keine Nachrichten von der Stute. Plötzlich, gegen neun Uhr abends rief jemand 'Faiout' und der Sohn von Akhmet Haffez kam auf der "The Pride of the Euphrates" angeritten. Sie war dasselbe wundervolle Tier, trotz der Reise. Ihre Augen hatten dasselbe Funkeln und sie sah noch besser aus, als beim ersten Mal.
(...)
Dann hatte der Dolmetscher eine Geschichte. (...) Als der Sohn von Haffez mit dem Revolver kam, fand der Besitzer einen Fehler an der Waffe und behauptete, das sei nicht die, die er wollte. Er war so sauer, dass er sagte, bevor er die Stute aufgibt, würde er den Anazeh-Stamm verlassen und zu Brihem Pasha gehen, der ihn mit sechstausend bewaffneten Männern verteidigen würde, um das Blut dieser Stute in seinen Stamm zu bekommen. Daraufhin bedrohte der Soldat ihn mit genau der Pistole, nach der er verlangt hatte, während Haffez' Sohn, Faiout, die Stute mit Gewalt nahm. Später wurde er verhaftet und nach Aleppo gebracht, weil er sein Wort über ein Pferd gebrochen hatte, das er in Wahrheit gar nicht verkaufen wollte."
Haleb war auch in seiner neuen Heimat sehr beliebt, man sprach davon, er sei das einzige fehlerlose Pferd. Im Juni 1907 gewinnt er einen Wettbewerb, ein paar Tage stirbt er. Vermutlich wurde er vergiftet. Von den nur 10 Fohlen in den USA ist eines Saleefy - Urfahs Tochter, die die Mutterlinie der Junx fortführt.
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