Es gibt viel zu berichten, mal sehen, ob ich unsere Junx noch alle sortiert bekomme.
Freitag bekamen wir Besuch von meiner Schwester und ihrer Familie. Ich hatte vormittags Photo-Session und Piscou im Stall gelassen. Wegen ihm wäre es kein Problem gewesen, ihn mitzunehmen. Aber er ist groß und das löst bei Menschen gelegentlich Angst und Schrecken aus. Der gesteckte Zeitrahmen war zu knapp, um eventuelle Ängste zu beruhigen. Als wir ihn dann nachmittags abholten und er realisierte, dass statt zwei jetzt sechs Menschen um ihn herum sind, war er in seinem Element. Die erste Reaktion meiner Schwester, als Piscou sich auf seinen Stammplatz Sofa begab, war entsetzt. Aber bald hatte sie sich auch daran gewöhnt. Sie ging mit ihm Joggen - das einzige Problem war, dass er ihr gelegentlich in die Beine lief. Inzwischen weiß ich, dass wir den kleinen Großen überschätzt haben, er ist erst acht Monate alt.
Stephan legt bei der Begrüßung im Paddock wieder seine Eifersuchts-Nummer hin und Fandango schlägt sich den Kopf an. Der wirkt erst ganz schön bedröppelt, fängt sich aber schnell wieder. Abends lassen Lara und ihre Freundinnen Fandango laufen. Ich wundere mich, warum er so durch die Halle rast und sich nicht bremsen lässt. Erst als die Mädels sich auf den Boden hocken, geht er irritiert auf Lara zu und lässt sich den Strick anmachen. Mann Nummer Unerwähnt meint, er laufe eben gerne, aber ich kenne Fandango so nicht.
Samstag nachmittag kam Schwester Nummer 2 dazu, jetzt waren wir zu zehnt. Bevor Beate sich auf Fandango setzte, bekam ich noch ihre drei Hunde in's Reiterstüble, das waren dann vier Hunde. Beate ritt Fandango mit ungeputzten Stiefeln, mein Schwager hat die beiden trotzdem gefilmt. Er wird mir die CD schicken, mal sehen, wie ich den Film dann internetfähig bekomme.
Bei dungensbumens (eine Figur im Schritt) läuft es inzwischen ganz ohne Stress-Reaktionen. Dafür bricht er im Galopp aus, wenn die Zirkel (?? richtiger Ausdruck ??) klein werden. Immer am Innenzügel. Ausbrechen klingt dramatisch - für meine Laienaugen wirft er den Kopf hoch. Beate vermutet, dass er noch zu wenig bemuskelt ist, aber gestern beim Putzen haben wir festgestellt, dass auch da die Tendenz bergauf geht - er wird kräftiger.
Beim durch die lange Bahn Wechseln hat er verstanden, dass jetzt kein fliegender Wechsel mehr kommt, sondern eine Runde Außengalopp.
Am Schluss beschließt Beate, durch das Gelände die Halle zu umrunden und von hinten in den Stall zu gehen. Das war Fandango nicht geheuer, als sie am weitesten entfernten Punkt sind, will er nicht mehr. Beate steigt ab und zeigt ihm, dass er nicht noch weiter weg vom Stall muss, sondern da der Weg wieder zurück geht. Er lässt sich führen und beobachtet aufmerksam alles, was es an Neuem gibt.
Samstag abend ist Schichtwechsel. Die Schwestern verlassen uns, Mann Nummer Unerwähnt kommt mit Mann Nr 4 - mein Wärmekissen aus der Klinik. Er ist wie Piscou ein Hunde-Vierbeiner. Die beiden lernen sich kennen, Mann Nr 4 knurrt gelegentlich, ist insgesamt anständig, aber fühlt sich unwohl. Der junge Piscou ist ihm zu aufdringlich und dass er auf dem Sofa trohnen darf, macht ihm meine Wohnung nicht geheuer. Lara erkennt das Unwohlsein und nimmt Piscou mit in den Stall. Jetzt entspannt sich Mann Nr 4.
Die Nacht wurde dank externer Einflüsse dann etwas chaotisch - mit dem Resultat, dass ich das Leintuch nicht mehr wechseln konnte und Mann Nummer Unerwähnt in Piscous Haarknäueln schlief. Ich war auf dem Sofa mit Mann Nr 4 zu Füßen eingeschlafen und wachte zwei Stunden später verschnupft wieder auf *hatschi*.
Unausgeschlafen und verknatscht fuhr ich zum Bäcker. Die Sonne scheint, neben mir sitzt Mann Nr 4 und legt sich wie ein Motorradfahrer in die Kurven. Als ich vom Bäcker zurückkomme, sitzt er am Steuer - fehlt nur noch die Sonnenbrille. Mein Ruf im Dorf dürfte hinüber sein - die wechselt die Hunde wie die Unterhosen...
Dessen ungeachtet fahren wir in die Felder und machen einen Spaziergang. Auf dem Rückweg nähert sich am Horizont ein großer schwarzer freilaufender Hund unserem Auto. Oha - ich habe keine Ahnung, ob Mann Nr 4 mir in Krisensituationen gehorcht. Eine Leine habe ich auch nicht dabei. Huch?
Wir drehen um und gehen noch eine Runde weiter. Am Holzstapel finde ich einen Stock zum Werfen - das mag er, solange es nicht zuuu sportlich wird. Schwarzer Hund am Horizont ist verschwunden, wir gehen zurück in's Auto. Es ist so schön, dass ich zum ersten Mal in diesem Jahr das Dach aufmache. Sonntags sind viele Menschen unterwegs, Mann Nr 4 fährt gerne Cabrio und zieht die Blicke auf sich, wie er sich sportlich in die Kurven legt. Meine Welt ist wieder in Ordnung.
Zu Hause will er nicht fressen. Ich habe zuviel gemacht und das Trockenfutter ist nicht seine Sorte. Lara verklagt mich, weil wir weder Butter noch Zucker zum Frühstück haben. Wie und wann soll ich das auch noch managen?? Ich gestehe, meine ohnehin nicht ausgeprägten hausfraulichen Fähigkeiten nähern sich derzeit dem Nullpunkt. Ich darf keine Bildzeitung lesen, die beiden essen Eier, deren Geruch ich eigentlich nicht ertragen kann. Egal, dieser Sonntag steht unter einem guten Stern und das Wetter ist endlich so, wie es die Koppeln verlangen.
Stephan und Paulchen haben geschwollene Hinterfesseln - das ist entweder die Umstellung oder zu wenig Bewegung. Hoffentlich bleibt es jetzt trocken, damit sie endlich auf die Koppel kommen. Abends hole ich Lara ab, sie brabbelt sofort los: "Mama, heute habe ich Fandango freilaufen lassen. Er hat auf's Wort gehorcht. Eine Peitsche will ich nie wieder bei ihm sehen."
Damit hatten wir des Rätsels Lösung vom rasenden Fandango am Freitag. Die Mädels hatten wie immer lange Peitschen in der Hand. Ich wusste, dass er keine Peitschen mag, hatte aber vor lauter allem anderen gar nicht darauf geachtet. Aber der Junge ist in der Lage, das seinen Menschen selber beizubringen. Und Lara ist sein Mensch - das war sichtbar, als sie ihn geputzt hat. Man muss ihn kennen um zu sehen, ob er zufrieden ist oder nicht, denn er ist sehr brav und gut erzogen. Als er gestern die Augenlider fallen ließ, während seine Ohren Lara verfolgten war klar, dass er angekommen ist.
Ein Problem haben wir noch: die Plastikstreifen. Stephan ist (mal wieder) der selbstbewussteste, ihn stören die Dinger nicht. Fandango ist ein Paddock-Pferd, er genießt jeden Fitzel Sonne und macht sein Mittagschläfchen immer draußen. Aber wehe, die Streifen hängen im Weg, dann wird er zum Boxen-Pferd. Am tragischsten verläuft die Streifen-Geschichte jedoch für Paulchen. Ich hänge täglich zwei Streifen über die Stangen und wundere mich, warum sie immer bei ihm wieder unten sind. Am Wochenende habe ich den Übeltäter erwischt. Sein Boxen-Nachbar. Der steht frech in seinem Paddock und wartet, bis Paulchen den Kopf durch die Tür steckt. Dann nimmt er die Streifen einzeln, und lässt sie auf Paulchens Nase fallen. Das ist pädagogisch äußerst unklug!!
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