Dienstag, 8. April 2008

Lebensfreude

Eben waren unsere Kleinen im Freilauf in der Halle - wow. Die Halle ist anders formatiert als in der Klinik, deshalb war mit koordiniertem außenherum Laufen Fehlanzeige. Zunächst verlief alles ganz ruhig und gesittet, Beate und Karin schnalzten und schnalzten, um die beiden zum Laufen zu überreden. Als die Junx befanden, dass sie jetzt warmgelaufen sind, ging die Show los.

Stephan sauste wie ein Blitz mal im Achter um Beate und Karin, dann in immer kleiner, aber nicht langsamer werdenden Kreisen um Karin. Bei Karin lagen zwei Stangen im rechten Winkel. Paulchen beschloss, bei Karin an der Longe zu gehen und galoppierte brav über die Stangen. Eine Longe war nicht vorhanden, aber solange Stephan nicht dazwischen schoss, blieb Paulchen auf seinem Zirkel.

Paulchen ließ sich wie üblich einfangen, aber Stephan legte noch zwei Ehrenrunden hin. Der kann rennen! Alle waren sprachlos über diesen 21-jährigen. Während Paulchen eine sanfte und sehr menschenbezogene Lebensfreude zeigt, er steht lieber neben Beate als durch die Halle zu laufen, ist es bei Stephan die schiere Lebenslust. Ein richtiger Fetz.

Die beiden haben jetzt Boxen getauscht, denn Paulchen hat nur die halbe Box und den halben Paddock benutzt. Der Stallbursche fand das großartig, musste er nie auf der linken Seite misten oder fegen. Aber die Tränke war auch links und ich hatte langsam den Eindruck, Paulchen traut sich nur zu trinken, wenn ich da bin und auf ihn aufpasse. Grund: eine Stuuute!! Ich weiß nicht, was die Mädels in der Herde mit unserem Paulchen angestellt haben, aber sie müssen ihm alle Hoffnung auf friedliches Zusammenleben genommen haben.

Die besagte Stute wurde gerade geputzt, als sie mal wieder neugierig nach Paulchen schauen wollte. Aber da stand ein Zwerg. Der so frech war, dass sie empört gegen die Wand donnerte. Einen Zentimeter an ihrem Menschen vorbei, dessen Herz sicher jetzt noch auf erhöhter Frequenz läuft.

Ich hatte etwas Befürchtungen, dass Paulchen über den Wechsel wieder anfängt zu tigern. Aber die Box riecht nach Stephan, er fing sofort an zu fressen und ausgiebig zu trinken. Denn die Tränke ist bei Fandango, da kann ihm nichts passieren.

In den nächsten Tagen kommen sie auf die Hengstkoppel, die näher beim Stall liegt, damit man sie beobachten kann. Sobald das Wetter es zulässt. Aber sie haben sich beide für die Longe beworben - wenn Stephan nicht gearbeitet wird, haben wir sonst bald einen Wirbelwind im Stall stehen.

Und Paulchen, was soll man dazu noch sagen? Er braucht Menschen und die Arbeit mit ihnen, dann kann er dieser schrecklichen Welt wieder vertrauen. Er hat Narben, doingt sich immer wieder den Kopf an und ist lang nicht so fetzig wie Stephan. Aber er ist mein Seelchen. Hoffentlich kommt er mit dem Doppelstöcker-Riesen-Nachbarn gut zurecht. In der Klinik stand er neben dem Platzhirsch und kam mit ihm klar, deshalb bin ich zuversichtlich.

Fandango hat gestern mit Paulchen die Rangordnung ausdiskutiert, seither sind sie Freunde und schlafen mit den Köpfen nebeneinander über den Paddock hängend. Er hat heute die ersten Traversalen (heißt das so) mit Beate gemeistert und einen handlichen Ansatz von galoppierter Piaffe hinbekommen.

Man mag mich für verrückt erklären, aber für mich ist nicht relevant, ob unsere Junx ihre Herzen an ausgerechnet mich hängen. Ich bin glücklich, wenn ich sehe, wieviel Lebensfreude sie haben und sich nach ihren Fähigkeiten entsprechend entwickeln können.

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